(160) Lucius Carinola stieg in die Limousine…

Lucius Carinola stieg in die Limousine und der Fahrer schloss die Tür hinter ihm. Die Klimaanlagenkühle im Inneren des Hummers war angenehm nach der staubigen Hitze draußen. Sein Gespräch mit Generalleutnant Tikolo war nicht erfreulich verlaufen und Carinola bedauerte es, sich eingemischt zu haben.

Eines seiner Entwicklungshilfeprojekte bestand darin, die Bewohner eines Flüchtlingslagers unweit des Rebellenstandorts von Tikolo wieder in ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete zurückzuführen. Deshalb war er auf das Wohlwollen des Rebellenführers angewiesen. Tikolo hatte ihm damals sein Einverständnis in Aussicht gestellt, wenn Carinola ihm bei der Waffensuche helfen würde. Das wiederum hatte Carinola auf die Idee gebracht, seinem Sohn auf die Sprünge zu helfen. Jerry hatte bisher keine glückliche Hand gehabt bei seinen Projekten, die Carinola aus dem Familienvermögen mitfinanzierte. Allerdings schien Jerry auch bei der Beschaffung von Waffen für Tikolo nicht richtig voran zu kommen und Tikolo hatte deswegen gerade einen Wutanfall bekommen. Dabei hatte er mit seiner Reitpeitsche eine Wassermelone entzwei geschlagen. Die Saftspritzer hatten auch Carinola ins Gesicht getroffen.

Lucius ließ sich jetzt von seinem Fahrer in die Hauptstadt zurückbringen. Er steckte in einem echten Dilemma, gefangen zwischen seinem Wunsch, den Flüchtlingen zu helfen, seinen Sohn zu unterstützen und dem Zorn von Tikolo zu entgehen. Ein erfolgreicher Waffendeal war gut für Tikolo und deswegen gut für die Flüchtlinge, die zurück in ihre Heimat durften. Und ein erfolgreicher Waffendeal war gut für Jerry, der damit nicht weiter das Familienvermögen belastete. Damit würde Lucius mehr Geld übrig bleiben, um seine Entwicklungsprojekte aufzubauen. Ein erfolgreicher Waffendeal bedeutete aber auch einen längeren Bürgerkrieg und das war schlecht für die Flüchtlinge. Er dachte an Joseph Carinola, seinen Vater, der nie ein Dilemma gekannt hatte und unbeirrbar seinen Weg gegangen war. Was hätte er an seiner Stelle unternommen?

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