(159) Es war ein Reinfall gewesen.

Es war ein Reinfall gewesen. Jerry Carinola war sauer auf sich selbst. Lou war zwar ein guter Freund, aber in diesem Fall ganz klar die falsche Besetzung. Jerry hätte sich einen Experten holen müssen. Jemanden der nicht nur die Namen der Waffen herunterlesen konnte, sondern einen, der die verdammten Dinger auch selbst abgefeuert hatte.

Jerry zog die goldene Taschenuhr aus seiner Weste. Sein Großvater hätte diese Operation viel souveräner durchgeführt und sich nicht so schnell geschlagen gegeben. Er hätte auf die richtigen Leute gesetzt.

Damals nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der alte Carinola in Argentinien ein Vermögen angehäuft. Er kaufte in großem Stil Farmland im eigenen Namen, aber mit fremdem Geld und verkaufte es weiter an flüchtige Nazis. Großvater hatte in allen Situationen die richtigen Leute an seiner Seite gehabt, sogar beim Roten Kreuz und in der Kirche. Politische Interessen hatte er nie gehabt. Nur das Geschäft war wichtig für ihn. Für Jerry war er stets ein Vorbild gewesen.

Zu seinem Vater hatte Jerry hingegen ein schwieriges Verhältnis gehabt. Natürlich hatte es viel damit zu tun, dass Großvater seinen Sohn herablassend behandelte und ihm ständig vorhielt, dass er seine Gene stärker in seinem Enkel Jerry wiederfand als in seinem Sohn Lucius. Lange Zeit hielt Jerry seinen Vater deshalb für einen Waschlappen. Erst Jahre nach dem Tod des Großvaters waren sich die beiden nähergekommen und es entwickelte sich eine Art Freundschaft zwischen ihnen. Sie wurde auch nicht getrübt, als Lucius sich entschloss, das geerbte Vermögen zu einem Großteil für Entwicklungshilfe in der Dritten Welt einzusetzen.

Seltsamerweise war die Gelegenheit, mit dem afrikanischen Rebellenführer Geschäfte zu machen, auf Initiative seines Vaters entstanden. Das verlieh der Tatsache, dass Jerry nicht erfolgreich war, eine bittere Note. Die Taschenuhr tickte in seiner Hand weiter und er überlegte, was sein Großvater gemacht hätte, um Lou zu ersetzen.

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