(141) „Das war recht hart“, meinte Josie Mink, als Basel die Tür zugedonnert hatte.

„Das war recht hart“, meinte Josie Mink, als Basel die Tür zugedonnert hatte. „Wenn du einmal weißt, warum das Publikum in Wirklichkeit lacht, kannst Du diesen Beruf gleich an den Nagel hängen. Erste Regel für einen Komiker: Kein Ideenkontakt mit den Zuschauern!“

Josie hatte Basels neues Programm im Publikum verfolgt. Sie war etwas beunruhigt. Als Basel noch nicht bekannt war und sie sein Management übernommen hatte, war sie ganze Tage am Stück unterwegs gewesen, um Auftritte für ihn zu organisieren. Nach und nach kam der Erfolg. Herr Lehmann, Basels Bühnenfigur, kam beim Publikum an. Aber seit ein paar Monaten genügte das Basel nicht mehr. Vor kurzem hatte er gesagt, dass ihn seine eigene Show langweilte und er etwas völlig Neues erschaffen würde. Das Programm, das er an diesem Abend gegeben hatte, war wohl ein Beispiel dafür. Sie empfand die aufgewärmten Sprüche als Rückschritt. Sie hatte den Eindruck, dass die meisten Zuschauer mehr aus einer Pawlowschen Reflexhandlung lachten, denn aus Vergnügen. Allerdings war Basel insgesamt sehr kritikempfindlich und eigenartig. Er weigerte sich zum Beispiel, einen Assistenten einzustellen, weil er Angst hatte, dieser könnte ihm seine Gags stehlen. Ein anderer Komiker hatte Basel darauf einmal entgegnet, seine Gags seien so alt, dass sie schon hundertfach geklaut worden seien, auch von Basel. Basel hatte ihm einen Aschenbecher an den Kopf geworfen und dafür eine Anzeige wegen Körperverletzung kassiert. „Die neuen Gags heute waren schon so etwas wie eine Zeitreise für mich“, äußerte Josie vorsichtig. Sie konnte es sich nicht leisten, dass Basel die Agentur wechselte. Gleichzeitig hatte sie den Eindruck, dass seine Entwicklung in die falsche Richtung zeigte.

„Ganz genau“, antwortete Basel laut, während er sich weiter abschminkte. „Es ging um die Meta-Ebene des Schwiegermutterwitzes. Aber man kann nicht erwarten, dass diese Trampel draußen so etwas verstehen. Ich bin darüber hinweg, einfach nur Gags zu schreiben, die von Leuten schenkelklopfend konsumiert werden wie Bier und Brot. Ich bin nicht deren Hofnarr. Es geht um viel mehr.“ Josie schwieg. Sie wollte mit ihrer Künstleragentur lediglich Geld verdienen und bei Geld gab es keine Meta-Ebene. „Was haben Ihre Gespräche mit den Fernsehsendern ergeben?“ Basel drehte sich zu ihr und musterte sie kritisch. „Sind Sie von mir überzeugt?“ Sie starrte ihn an und sprach schnell in die unangenehme Pause, die entstanden war: „Natürlich, ich betreue Sie!“ – „Gut“, antwortete er. „Ich habe nachgedacht. Die Zeit ist reif: ich will eine eigene Fernsehsendung! Und Sie kümmern sich darum.“

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