(101) Dann wählte Ben Dorotheas Nummer.

Dann wählte Ben Dorotheas Nummer. Er rief an, um ihr zu sagen, wie sehr er sie vermisste. Er hatte Lust auf sie und fand, dass er für seine Teilnahme an dem langweiligen Familienfest eine Belohnung verdiente. „Es wird nicht so spät werden hier, es sind jetzt schon alle geistig eingeschlafen“, erklärte er ihr am Telefon. „Leg dich nachher einfach nackt ins Bett. Ich komme und überrasche dich.“

Enttäuscht musste er sich anhören, dass Dorothea andere Pläne hatte. Ihre beste Freundin Diane hatte sie gerade angerufen und am Telefon geheult. Ihr Mann habe sie betrogen. Diane war völlig am Ende gewesen. Dorothea erklärte Ben, sie müsse sofort hinfahren, das ginge nicht anders.

Ben war frustriert. Er hatte sich auf Sex gefreut und empfand es als unfair, dass Dorothea ihm nicht zur Verfügung stand. „Soll ich dich nachher dort abholen“, bot er ihr an. „Nein, es wird spät werden und ich übernachte bei ihr. Die Ärmste, sie ist völlig fertig.“ Es hatte keinen Sinn, erkannte Ben, das würde heute nichts mehr werden mit Dorothea. Er verabschiedete sich und sagte ihr, dass er sich melden würde.

Ben spazierte auf dem Parkplatz zwischen den Autos umher und fühlte sich einsam. Die runden Schweinwerferaugen schauten ihn erwartungsvoll an, als ob sie alle bei einer Besprechung zusammensäßen und er mit ihnen das weitere Vorgehen abgleichen würde.

Im Kopf besprach er systematisch seine Alternativen: a) Dorothea war heute Abend keine Option; b) auf der Feier würde er niemanden treffen; c) Clara war nicht möglich, nachdem er vor einer Woche angefangen hatte, sich auf eine Scheidung einzuschießen (Vorwürfe, Nachlässigkeiten, unerklärte Abwesenheit); d) Niemanden aus der Firma; e) Bars und Hotelbars unergiebig.

Es war offensichtlich: Ben brauchte professionelle Hilfe. Es war auch ehrlicher gegenüber Dorothea, denn er mochte sie sehr und wollte sie nicht verlieren. Er schlug in seinem Adressbüchlein und rief dann an.

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