(100) Sein erster Anruf galt einem Autor, der ihm ein Treatment geschickt hatte.

Sein erster Anruf galt einem Autor, der ihm ein Treatment geschickt hatte. Der Stoff passte nicht zu Bens Produktionsfirma, aber er fand die Story interessant und vermittelte den Autor an Boris, einen anderen Produzenten weiter.

Im Treatment ging es um eine Episode im Leben des französischen Bankräubers und Gewaltverbrechers Jacques Mesrine. Er war 1969 verdächtigt worden, eine Hotelbesitzerin in der kanadischen Provinz Québec ermordet zu haben. Darauf flüchtete er mit seiner Geliebten Jeanne Schneider in die USA. Dort wurden die beiden nach weniger als einem Monat verhaftet. Die Story konzentrierte sich auf die 20 Tage, in denen Mesrine und seine Geliebte in den USA auf der Flucht waren. Ihre Reise begann in Percé am Sankt-Lorenz-Strom und endete in Arkansas.

Für Mesrine war es die entscheidende Periode in seinem Leben, in der er von einem Kleinkriminellen zum Großverbrecher wurde. Dabei entstand auch die Bezeichnung ‚Staatsfeind Nr. 1‘, sie war ihm von kanadischen Zeitungen verliehen worden. Parallel dazu die Entwicklung seiner Beziehung zu Jeanne. Die anfängliche Leidenschaft fand ein jähes Ende in einer Auseinandersetzung in den Appalachen. Gleichzeitig war dies auch der höchste geografische Punkt der Reise. Danach wurde ihre Beziehung nur noch durch die gemeinsam verübten Verbrechen zusammengehalten. Jeanne war nur eine Etappe in der Karriere von Mesrine. Als sie ihm nicht weiter helfen konnte, wurde er ihrer schnell überdrüssig.

Diese Entwicklung fand Ben sehr interessant und deshalb hatte er bereitwillig den Autor unterstützt. Sein Freund Boris würde sich dafür revanchieren.

Dann fiel ihm ein, dass er Boris über Clara kennen gelernt hatte. Wenn die Scheidung erst öffentlich war, würde Boris wahrscheinlich nicht mehr mit ihm reden. Er schimpfte mit sich, weil er daran nicht gedacht hatte. Der Stoff war gut gewesen, er hätte auch andere Produzenten finden können. Zu dumm.

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